Lebensfreude genießen: Warum „Hauptsache billig“ uns nicht reich macht
Lebensfreude genießen – darf man sich das heute überhaupt noch erlauben? Diese Frage hat mich auf einer Reise nach Düsseldorf begleitet. Zwischen Nachrichten, Werbebotschaften und Begegnungen wurde mir klar, warum Sparen nicht nur eine finanzielle, sondern vor allem eine emotionale Entscheidung ist – und weshalb Lebensfreude gerade in der Lebensmitte so wichtig wird.
Wenn Nachrichten die Lebensfreude dämpfen
Neulich bin ich mit dem Auto nach Düsseldorf gefahren und habe Radio gehört. Ich weiß nicht, wie oft die Nachrichten kamen – aber jedes Mal war danach meine Laune schlechter. Krisen, knappe Kassen, Krieg. Dazu der neueste Lieblingsvorwurf: Wir wären faul und hätten keine Lust zu arbeiten. Was mich wirklich geärgert hat, waren die Werbespots. Die Botschaft: Hauptsache billig! Vom Supermarkt bis zur Karibikkreuzfahrt, alle verkaufen ihre Produkte nur über eins – den Preis! Qualität, Erlebnis, Status oder emotionale Bedürfnisse erfüllen? Nope – Schnäppchen machen scheint der einzige Kaufgrund zu sein.
Zwischen Sparzwang und schlechtem Gewissen
Und ich merkte, wie auch ich innerlich in den Krisenmodus schaltete. Ich fragte mich, soll ich umdrehen und zurück nach Hause düsen? Decke über den Kopf. Was soll ich in Düsseldorf, auf der Kö? Oder gar auf der Boot – meinem eigentlichen Ziel. Wenn das ganze Land spart, soll ich mir da was gönnen? Darf ich mir da was gönnen? Sollte ich nicht auch lieber sparen, Werte bewahren?
Eine bewusste Entscheidung für das Leben
Ich habe mich bewusst anders entschieden: Ich bin – übrigens gemeinsam mit meinem Mann – nach Düsseldorf gefahren. Wir waren auf der Boot. Wir waren auf der Kö. Im Theater. Im Museum. Haben gegessen, getrunken – und wir haben das Leben genossen.
Extra: Düsseldorf-Tipps
Kleine Düsseldorfer Momente, die mir gutgetan haben:
Freitag:
– Spaziergang vom Hotel (MotelOne am Hauptbahnhof) über die Immermannstraße (japanisches Viertel) bis zur berühmten Königsallee – natürlich inklusive Ramen schlürfen und Einkaufsbummel.
– Weiter zum überdachten Markt auf dem Carlsplatz: Wir stoßen aufs Wochenende mit einem spritzigen Crémant am Stand von Franken Feinkost an.
– Bummel durch die Altstadt bis ans Rheinufer, zurück über die Brauerei Füchschen – natürlich probieren wir das typische Düsseldorfer Alt.
Samstag:
– Im Januar findet in Düsseldorf die Boot statt – die größte Bootsmesse der Welt. Besonders beeindruckend: eine Luxusyacht von Amel, gezeigt von einem jungen Messe-Mitarbeiter. Selbst als Landratte spürt man sofort: hier zählt Perfektion, Liebe zum Detail, Qualität – und Begeisterung. Einfach pure Leidenschaft für das Handwerk.
– Abends waren wir spontan im Theater an der Kö. Das Stück hieß: Es ist nur eine Phase, Hase und handelt – wie passend – von Menschen in der Lebensmitte.
Sonntag:
– Nach einem Frühstück bei Wilma Wunder Spaziergang zum Düsseldorfer Kunstpalast und Besuch der Ausstellung Die geheime Macht der Düfte. Wer nicht nach Düsseldorf kommt: Ein gleichnamiges Buch erklärt die faszinierende Welt der Düfte.
Begegnungen, die Mut machen und begeistern
Vor allem aber haben wir Menschen getroffen, die gerne arbeiten. Wie die Hotelangestellten, die trotz ausgefallener IT jeden Gast freundlich und geduldig eingecheckt haben. Einen Barista beim Kaffeestand, der trotz langer Schlange mir lächelnd half, den Deckel auf den Becher zu setzen. Die Schauspieler im Theater, deren Spielfreude sich auf das ganze Publikum übertrug.
Und dann war da die Verkäuferin auf der Boot. Vom Typ der Wiener Tatort-Kommissarin Bibi Fellner – Adele Neuhauser – nicht unähnlich. Sie verkaufte so kleine Portmonees, bei denen die Karten in einer Art Mini-Safe sitzen. Voller Begeisterung sprach sie von diesem Produkt. Von der Qualität des Leders, dem besonderen Metallrahmen. Dem Patent. Mein Mann war überzeugt. Er kaufte das kleine Etui und gab am Ende offen zu: „Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen.“ – „Ich weiß“, meinte die Verkäuferin keck.
Warum mein Mann das Etui gekauft hat? Zum einen, weil die Qualität wirklich gut war, das Teil schön klein ist und in die vordere Hosentasche passt – aber in der Hauptsache lag es an der begeisterten Verkäuferin. Dem Live-Erlebnis. Dem Austausch. Dem Wortwechsel mit Witz – das macht einen Einkauf zu einem echten Erlebnis – ganz im Gegenteil zu einer unpersönlichen Klick-Shopping-Tour im Internet.





Wenn Sparen mehr kostet als Geld
Und noch etwas haben mir diese Düsseldorfer Begegnungen gezeigt: Wenn wir uns zurückziehen, nur noch sparen, nur noch Angst haben, passiert nichts. Kein Wachstum. Keine Bewegung. Keine Freude.
Ich habe für mich beschlossen: Ich will das nicht. Ich suche bewusst Orte, Gespräche und Menschen, bei denen ich Begeisterung spüre. Für die Qualität zählt. Bei denen Arbeit Sinn macht. Das hat nichts mit Geld zum Fensterrauswerfen zu tun – sondern mit Lebensgenuss.
Lebensfreude genießen beginnt mit unserer inneren Haltung
Sparen, die Mentalität von „Geiz ist geil“, hat für mich nicht nur etwas mit Geld zu tun. Sie ist vor allem eine Frage der Haltung – davon, wie wir auf die Dinge schauen. Wenn wir alles auf Sparsamkeit trimmen, fangen wir irgendwann auch an, mit unseren Gefühlen zu geizen. Wir werden weniger empfänglich für die Vielfalt der positiven Gefühle. Unser auf Sparsamkeit getrimmter Geiz legt sich nach und nach um unser Herz, erdrückt den Lebensmut, erstickt unser Lachen und lässt uns hart und gram werden – ein bisschen wie Ebenezer Scrooge in Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte.
Dabei dürfen wir begeistert sein von den schönen Dingen des Lebens. Denn im Kern ist das nichts anderes als Liebe: Liebe zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zum Leben.
Lebensfreude in der Lebensmitte neu entdecken
Gerade in der Lebensmitte stellen sich viele von uns neu die Frage: Was ist mir wirklich wichtig? Für mich lautet eine Antwort: Lebensfreude ist kein Luxus. Sie ist eine Triebfeder. Für Veränderung, für Entwicklung, für ein gutes Leben. Das Gestern kommt nicht zurück. Das Morgen kennen wir nicht. Aber das Heute können wir gestalten.
Selbstreflexion: Wie genießt du Lebensfreude?
Wenn du magst, lade ich dich zu einer kleinen Reflexion ein. Gönne dir dafür bewusst etwas Zeit und Ruhe, während du dir selbst diese Fragen beantwortest:
– Was würde sich verändern, wenn Lebensfreude kein Luxus, sondern ein innerer Kompass wäre?
– Was darf in meinem Leben wieder mehr Raum bekommen?
– Welche Qualität wünsche ich mir – nicht nur beim Kaufen, sondern im Leben?
Ich würde mich freuen, wenn du mit mir teilen würdest, wie du darüber denkst. Schicke mir gerne eine Nachricht oder melde dich telefonisch bei mir. Mich interessieren deine Gedanken zu diesem Thema. Und ich wünsche dir von Herzen, dass du großzügig mit deiner Lebenslust umgehst.
Mach es dir schön!
Deine Karina

Karina Caspers
Journalistin & zertifizierter Coach
Als langjähriges Mitglied der Chefredaktion namhafter Frauenmagazine habe ich gelernt, was uns Frauen in der Lebensmitte wirklich bewegt. Heute verbinde ich diese redaktionelle Expertise mit meiner Arbeit als zertifizierter Coach. Mit meiner Klarheitsanalyse helfe ich Frauen dabei, Ballast abzuwerfen und ihre Lebensfreude neu zu entdecken.
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