Lupe über einem Spiralblock: vergrößert zu lesen „Der innere Kritiker“ mit Sätzen wie „Du kannst das nicht“
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Innere Kritiker zähmen: So stärkst du deine Selbstwertschätzung

Hast du auch manchmal das Gefühl, dass dich niemand lobt? Auf der Arbeit hörst du nur Kritik oder dir werden neue Aufgaben übertragen. Dein Partner fragt, ob du dies oder das schon erledigt hast. Und deine Mutter eröffnet das Telefonat mit dem vorwurfsvollen Satz: „Du hättest dich ja auch mal von dir aus melden können.“ Und du denkst nur: Ich mache doch wirklich ALLES, was in meiner Macht steht. Warum sieht das niemand? Die Folge: Deine Laune sinkt und dein Bedürfnis nach Anerkennung, nach Wertschätzung steigt.

Dieses Gefühl, nicht gesehen zu werden, kann so weit gehen, dass du dich selbst nicht mehr siehst. Dass du dich selbst nicht mehr wertschätzt – und, noch schlimmer, zu deiner ärgsten Kritikerin wirst. Ein Teufelskreis, aus dem du aussteigen kannst. Doch wie?

Ich habe mich zu diesem Thema mit der wunderbaren Mareike Fischer unterhalten. Sie ist selbstständige NLP-Coach, Kommunikationstrainerin und Expertin dafür, wie unsere eigene Sprache zu unserem Wohlergehen beitragen kann. In unserem Gespräch wurde schnell klar: Der Schlüssel zu weniger Sehnsucht nach Anerkennung von außen und mehr innerer Balance liegt in unserer Selbstwertschätzung und in der Art, wie wir Tag für Tag mit uns selbst sprechen.

Porträt von Mareike Fischer, NLP-Coach und Kommunikationstrainerin
NLP-Coach Mareike Fischer zeigt, wie wir mit Sprache liebevoller mit uns umgehen. Foto: Kevin Lauderlein

Mareike und ich geben dazu am Donnerstag, 3. Dezember, ein Online-Seminar. Jetzt anmelden unter coaching@karinacaspers.de

Lesezeit:
7–10 Minuten

„Ich bin so dumm“: Wie unsere Sprache unser Erleben prägt

Wir alle führen einen ständigen inneren Dialog. Doch hast du dir schon einmal bewusst zugehört, wenn dir ein Fehler passiert? Wenn du ein Glas umwirfst oder sonst etwas im Alltag nicht ganz rund läuft? Mareike erinnert sich im Interview an eine solche Gewohnheit aus ihrer eigenen Vergangenheit: „Wenn mir mal beim Backen ein Missgeschick passiert ist, habe ich früher selbst mit mir geschimpft und sowas gesagt wie: ‚Ah, ich bin so dumm.‘“

Erst als sie sich intensiv mit dem Neurolinguistischen Programmieren (NLP) beschäftigte, wurde ihr die Tragweite dieser vermeintlich harmlosen Sätze bewusst. Mareike erklärt: „Mir ist klar geworden, dass ich mich oft selbst klein mache. Durch die vielen Wiederholungen wird das Gesagte quasi zur eigenen Wirklichkeit. Dadurch prägt sich unser inneres Erleben – und wir verfestigen eine schlechte Meinung über uns selbst.“

Mit jedem „Ich bin so dumm“ oder „Ich muss das noch schaffen“ festigen wir eine stressige, abwertende Sicht auf uns selbst. Doch die gute Nachricht ist: Wir können umdenken. Indem wir uns unserer Worte bewusst werden, schaffen wir neue Wahlmöglichkeiten und können in schwierigen Situationen viel besser und liebevoller mit uns umgehen.

Warum wir im „Mangel“ leben: Das verkannte Bedürfnis nach Lob

Ein großes Hindernis auf dem Weg zur Selbstwertschätzung ist, dass wir Anerkennung oft nur im Außen suchen – und bitter enttäuscht werden, wenn sie ausbleibt.

Mareike erzählt dazu eine berührende Geschichte aus ihrer Coaching-Praxis. Eigentlich lief bei ihrer Klientin alles gut: Das Team funktionierte, die Arbeit wurde bewältigt. Und doch fühlte sie sich unwohl. Der Grund? Sie wünschte sich sehnlichst Anerkennung. „Sie meinte, sie lobt ständig alle anderen, aber sie bekommt selber kein Lob. Weder von ihren Mitarbeitenden noch von oben.“

Als Mareike sie fragte, ob sie sich denn selbst manchmal innerlich oder verbal lobe, war die Antwort ein klares Nein. Das war ein echter Augenöffner. Wer sich selbst und seine Arbeit nicht wertschätzt, hält kritische Situationen schwerer aus.

Mareike sagt: „Vor allem, wenn man innerlich in einem Mangel ist, dann wird es immer schwieriger, die positiven Aspekte in der Außenwelt zu sehen oder wahrzunehmen.“

Erst als die Klientin die „Lob-Brille“ aufsetzte und begann, sich selbst wertzuschätzen, fielen ihr plötzlich die vielen kleinen positiven Rückmeldungen auf, die sie im Alltag von ihrem Team eigentlich längst bekam – nur hatte sie sie zuvor nie wahrgenommen. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt, nach Kritik Ausschau zu halten.

Wenn es um echte Selbstwertschätzung geht, dürfen wir eine Sache nicht außer Acht lassen: die innere Strenge. Denn mehr noch als jeder Chef treiben wir uns selbst an und setzen uns unter Druck. Auch wenn wir total müde und erschöpft sind, wollen wir unbedingt noch das Bad putzen, schließlich stand das auf der heutigen To-do-Liste. Und wie sollen wir ruhig schlafen, wenn dieser Punkt noch offen und unerledigt ist?

Drei NLP-Übungen für deinen Alltag

Wie gelingt uns der Wechsel von der inneren Strenge hin zu echter Selbstwertschätzung? Mareike hat im Interview drei Werkzeuge geteilt, die du ohne Vorkenntnisse sofort ausprobieren kannst.

1. Die Drei-Fragen-Methode

Kennst du diese Momente, in denen du dich an einem Projekt regelrecht festbeißt, obwohl du spürst, dass eigentlich nichts Kluges mehr dabei herauskommt oder du einfach keine Kraft mehr hast? Das kann eine Situation auf der Arbeit sein, in der du dich quälst, anstatt Feierabend zu machen. Genauso gut passiert das bei privaten Verpflichtungen: Du erledigst dies und das, statt dich mit einem guten Buch oder deinem Lieblings-Podcast auf die Couch zu legen. Bei mir ging es so weit, dass ich sogar stolz auf mich war, wenn ich eine Aufgabe trotz Erschöpfung noch gemeistert habe. Völliger Quatsch, sage ich heute – übrigens ohne dafür meinen Leistungsgedanken über Bord geworfen zu haben!

Um dieses Hamsterrad des fleißigen Lieschens anzuhalten, empfiehlt Mareike eine „Musterunterbrechung“ (im Fachjargon Separator genannt): kurz innehalten und drei Fragen schriftlich beantworten.

  • Was habe ich heute bereits alles sehr gut erledigt? Mindestens drei Dinge!
  • Was möchte ich jetzt gerade überhaupt noch erreichen?
  • Was brauche ich noch, um das zu erreichen?

Wenn du erschöpft bist, merkst du beim Aufschreiben der dritten Frage schnell: Das, was du brauchst (zum Beispiel frische Energie oder Konzentration), ist in deinem aktuellen Zustand gar nicht mehr erfüllbar. „Und das ist zumindest für mich immer ein Zeichen dafür, dass ich die Akkus wieder aufladen muss, mir Erholung erlaube oder meiner Kreativität mal wieder ein bisschen Ruhe gönnen darf.“

Ein zusätzlicher Mental-Hack für extreme Stressmomente: Frage dich: „Ist diese Aufgabe jetzt abhängig von meinem Überleben, oder ist mein Überleben abhängig von dieser Aufgabe?“ In den allermeisten Fällen lautet die Antwort: Nein, es klappt auch noch wunderbar, wenn ich es morgen mit frischer Energie mache. Erlaube dir selbst aufzuhören!

Grafik mit drei Fragen für den Feierabend: Was habe ich heute gut erledigt? Was möchte ich noch erreichen? Was brauche ich dafür?
Die Drei-Fragen-Methode von NLP-Coach Mareike Fischer zum Ausdrucken oder Speichern. Grafik: K. Caspers

2. Belohne dich selbst – ganz bewusst

Wir neigen dazu, uns durch unliebsame Termine oder Pflichten zu quälen. Wenn wir das schon machen, warum belohnen wir uns danach nicht wie selbstverständlich? Bei Kindern tun wir das ganz intuitiv, etwa nach einem Arztbesuch, damit sie eine positive Verknüpfung aufbauen. Sogar mancher Zahnarzt hält es für ganz legitim, nach der Untersuchung Süßigkeiten zu verteilen. Warum übernehmen wir dieses Muster nicht für uns? Egal, ob es der Spaziergang nach einem anstrengenden Gespräch ist oder ein neuer Nagellack: Verknüpfe das Unangenehme aktiv mit etwas Schönem.

3. Grenzen setzen lernen

„Erst die anderen, dann ich“ – dieses Credo ist für viele Frauen ein direkter Weg in die Erschöpfung. Mareike erinnert uns daran, wie wichtig es ist, Grenzen zu ziehen. Sie rät, kurz durchzuatmen und sich zu fragen: Bin ich gerade in dem Zustand, noch einen Schritt weiterzugehen?

Wenn dein Partner, deine Kinder oder deine Kollegen ein wichtiges Thema besprechen wollen, du aber nach einem stressigen Tag völlig erschöpft bist, darfst du für dich einstehen. Mareike schlägt diese Formulierung vor: „Ich höre, das ist für dich ein wichtiges Thema. Vielen Dank, dass du es ansprichst. Lass uns bitte einen Termin dafür machen, um das zu besprechen, weil ich gerade einfach nicht in dem Zustand bin, hier ein konstruktives Gespräch zu führen.“

Das ist kein Egoismus, sondern Fürsorge für Körper und Seele. Denn nur wer gut für sich selbst sorgt, hat langfristig auch die Kraft, für andere da zu sein.

Ein tröstender Gedanke zum Schluss

Wenn du das nächste Mal mit einer deiner Entscheidungen oder Reaktionen unzufrieden bist, schenke dir selbst Mitgefühl.

Eine der wertvollsten NLP-Grundannahmen, die Mareike mir mit auf den Weg gegeben hat, lautet:

Jeder Mensch fällt zu jedem Zeitpunkt die Entscheidung, die ihm zu diesem Zeitpunkt als die richtige wirkte – mit all den Informationen, all dem Wissen und in dem Zustand, in dem die Person in diesem Moment war.

Lass diesen Satz einmal sacken. Er nimmt so viel rückwirkenden Druck und Schuldgefühle von unseren Schultern. Du tust dein Bestes – jeden Tag aufs Neue. Fang an, dich selbst dafür zu loben!

Du willst das gemeinsam ausprobieren?

Am Donnerstag, 3. Dezember, um 18:30 Uhr laden Mareike Fischer und ich dich zum kostenlosen Online-Seminar ein (ca. 90 Minuten). Mareike zeigt dir, wie du deinen inneren Kritiker leiser stellst, und probiert mit dir die Übungen aus diesem Artikel live aus. Ich führe durch den Abend und kümmere mich um deine Fragen. Du brauchst keine Vorkenntnisse, nur Zeit für dich.

Mareike und ich würden uns sehr freuen, dich persönlich kennenzulernen. Bis dahin wünsche ich:

Mach es dir schön!
Deine Karina

Mareike Fischer, selbstständige Trainerin und Coach für Kommunikation

Wer ist eigentlich Mareike?

Schon in ihrer Schulzeit war Mareike fasziniert von der Macht der Sprache, von Gedichten bis hin zur Grammatik. Nach ihrem Masterstudium des Europarechts, in dem sie lernte, wie präzise Rechtsbegriffe definiert sein müssen, startete sie ihre Karriere in der politischen Kommunikation für einen Verband im Bereich der erneuerbaren Energien. Dort nutzte sie Storytelling, um Standpunkte verständlich zu machen.

Ein Wendepunkt in ihrem eigenen Leben war eine persönliche Coaching-Erfahrung nach einem unglücklichen ersten Job. Sie zeigte ihr, wie sehr ihre eigene Sprache und ihre Überzeugungen sie einschränkten, etwa das Gefühl, ständig Überstunden machen zu müssen. Diese Faszination führte sie nach Berlin, wo sie eine Ausbildung im Neurolinguistischen Programmieren absolvierte.

Heute ist Mareike leidenschaftliche, selbstständige Trainerin und Coach.
Sie schult unter anderem Mitarbeiter und Teams in Unternehmen im Bereich
Feedback, Teamkommunikation und dem wertschätzenden Umgang mit
schwierigen Themen. Privat mag sie sportliche Herausforderungen und liebt hochintensive Zirkeltrainings.

Karina Caspers
Journalistin & zertifizierter systemischer Coach

Ich schreibe über Menschen und höre ihnen zu: als langjährige Chefredakteurin von Frauenmagazinen, als Autorin für regionale Zeitungen und heute als Coach. Dieses Zuhören ist die Grundlage meiner Arbeit mit Frauen in der Lebensmitte. Gemeinsam finden wir heraus, was wirklich wichtig ist und was du hinter dir lassen darfst.

Mehr über meine Arbeit.

Karina Caspers, Journalistin und zertifizierter Coach für Frauen in der Lebensmitte

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